Arrest prosequieren: zehn Tage bis zur Betreibung

Nach Zustellung der Arresturkunde muss die Gläubigerseite innert zehn Tagen die Betreibung einleiten oder Klage erheben (Art. 279 Abs. 1 SchKG). Geschieht das nicht, fällt der Arrest dahin und das gesperrte Vermögen wird frei. Erhebt die Gegenseite Rechtsvorschlag, läuft eine weitere Frist von zehn Tagen für das Rechtsöffnungsgesuch oder die Klage.

Passende Werke zum Fixpreis

Der Arrest ist nur eine Vorstufe

Ein bewilligter und vollzogener Arrest sichert Vermögen — mehr nicht. Er verschafft keinen Titel und kein Geld. Damit aus der Sicherung eine Vollstreckung wird, muss das Hauptverfahren folgen.

Diesen Schritt nennt das Gesetz Prosequierung. Er ist keine Formalie, sondern die Bedingung dafür, dass der Arrest überhaupt bestehen bleibt.

Die erste Frist: zehn Tage ab Arresturkunde

Die Frist beträgt zehn Tage und beginnt mit der Zustellung der Arresturkunde (Art. 279 Abs. 1 SchKG). Innerhalb dieser Zeit muss die Gläubigerseite entweder die Betreibung einleiten oder Klage erheben.

Lief bereits eine Betreibung, bevor der Arrest bewilligt wurde, entfällt dieser Schritt. Wer das übersieht und vorsorglich ein zweites Mal betreibt, produziert unnötige Kosten und einen zusätzlichen Registereintrag.

Die zweite Frist: nach dem Rechtsvorschlag

Erhebt die Schuldnerseite gegen den Zahlungsbefehl Rechtsvorschlag, ist die Betreibung blockiert. Die Gläubigerseite hat dann erneut zehn Tage Zeit — gerechnet ab Mitteilung des Rechtsvorschlags —, um das Rechtsöffnungsgesuch zu stellen oder Klage auf Anerkennung der Forderung zu erheben (Art. 279 Abs. 2 SchKG).

Wer die erste Frist einhält und die zweite verpasst, verliert den Arrest genauso.

Was der Fristablauf kostet

Wird eine der Fristen versäumt, fällt der Arrest dahin (Art. 280 SchKG). Die Sperre wird aufgehoben, das Vermögen ist wieder frei verfügbar — und in aller Regel innert Tagen verschoben.

Dazu kommt die Haftung: Wer einen Arrest erwirkt hat, der sich als ungerechtfertigt erweist, schuldet Schadenersatz (Art. 273 Abs. 1 SchKG). Ein Arrest, der mangels Prosequierung dahinfällt, kann Anlass für solche Forderungen sein.

Warum die Zehntagesfristen so eng sind

Ein Arrest greift tief in fremdes Vermögen ein, ohne dass die Gegenseite angehört wurde. Die kurzen Fristen sind der Preis dafür: Wer so weit gehen darf, muss zügig zur ordentlichen Auseinandersetzung übergehen.

In der Praxis heisst das, die Prosequierung vor dem Arrestgesuch zu planen, nicht danach. Wer erst nach dem Vollzug überlegt, welches Betreibungsamt zuständig ist und wie die Forderung genau lautet, verbraucht die Frist mit Organisation.

Häufige Fragen

Zählt die Einreichung oder der Eingang beim Amt?

Es genügt, dass die Eingabe am letzten Tag der Schweizerischen Post übergeben wird. Fällt das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder anerkannten Feiertag, endet die Frist am nächsten Werktag (Art. 31 und 63 SchKG).

Muss am Arrestort betrieben werden?

Nicht zwingend. Die Betreibung folgt den allgemeinen Zuständigkeitsregeln. Am Arrestort besteht ein zusätzlicher Betreibungsort, wenn die Schuldnerseite keinen Wohnsitz in der Schweiz hat — das ist der praktisch häufigste Fall bei einem Arrest.

Was, wenn die Einsprache gegen den Arrest noch hängig ist?

Das Einspracheverfahren nach Art. 278 SchKG läuft unabhängig. Es hält die Prosequierungsfrist nicht an. Beide Verfahren müssen nebeneinander geführt werden.

Kann die Frist wiederhergestellt werden?

Nur unter engen Voraussetzungen und bei unverschuldetem Hindernis. Organisatorische Gründe genügen nicht. Wer die Frist verpasst hat, sollte davon ausgehen, dass der Arrest dahingefallen ist.

Passende Werke zum Fixpreis

Im Detail

Dieser Artikel gibt den Überblick. Die einzelnen Schritte sind hier ausführlich erklärt:

Begriffe aus diesem Bereich

Alles zum Thema Forderung, Mahnung und Betreibung — Ratgeber, Begriffe und passende Werke auf einen Blick. Läuft bei Ihnen eine Frist? Fristen-Rechner öffnen.

© LexWerk.ch Stand: 01.08.2026

Dieser Ratgeber bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Für Ihren konkreten Fall erstellen wir das passende Dokument zum Fixpreis.